Die letzte Woche unserer 3-wöchigen Reise in Japan verbringen wir im Süden der Hauptinsel, wo wir die Städte Hiroshima und Kyoto besuchen.
Zwischenhalt beim Fuji
Wir fahren mit dem Shinkansen vom wunderschönen Norden wieder in die Mitte Japans und machen einen Kurzstop beim Fuji. Die Zugfahrt nutzt Melanie dafür, das ganze Finanzmanagemet auf den neusten Stand zu bringen. (Jonas: Unglaublich was die alles kann! Melanie: Endlich wieder mal eine anständige Exceltabelle!) In Tokio müssen wir umsteigen. Dabei kommen wir in den Genuss einer Zugputzaktion. Die Putzcrew steht schon bereit, als der Zug einfährt. Bei jeder Tür eine Person. Kaum sind alle Passagiere ausgestiegen, steigt die Putzcrew ein und dann gehts los. Innert 5 Minuten werden alle Sitze um 180° gedreht, die Kopfschütze gewechselt und alles einmal durchgeputzt. Dann können wir einsteigen und der Zug fährt wieder in die entgegengesetzte Richtung los.
In Fuji-Shin angekommen, laufen wir zu unserem Hotel, welches wir möglichst nahe am Bahnhof gewählt haben. Gebucht haben wir das günstigste Zimmer. Doch anscheinend sind sie nicht ausgebucht, denn wir bekommen ein Zimmer im 8. Stock und das noch auf der Fuji-Seite. Das heisst, wir haben Sicht auf den Fuji! Nur spielt das Wetter leider nicht mit und eine Nebeldecke verdeckt den berühmten Berg. Daher sehen wir den Fuji nur auf der Wasserflasche.
Unsere Sicht aus dem Zimmer auf den Fuji.
Spuren des 2. Weltkriegs in Hiroshima
Am nächsten Morgen geht es weiter nach Hiroshima. Zusammen mit tausenden anderen Reisenden quetschen wir uns in den Zug. Am nächsten Morgen stehen wir extra früh auf, um das Atombombenmuseum zu besuchen. Das Museum war echt eindrücklich. Es gibt viele Relikte vom Bombenabwurf vom 6. August 1945 und noch mehr Geschichten von Überlebenden. Man könnte Stunden in diesem Museum verbringen und sich in die Zeit zurückversetzen lassen. Es strömen jedoch mehr und mehr Leute in das Museum, bis man schlussendlich anstehen muss, um eine Tafel lesen zu können. Unser Kopf schwirrt sowieso schon vor all diesen vielen Eindrücken und so sind wir dann kurz vor Mittag wieder draussen und laufen noch durch den Friedenspark. Der Friedenspark liegt auf einer Flussinsel, auf der früher das Bankenviertel war. Das Viertel wurde von der Bombe komplett zerstört und seither ist diese Insel ein Mahnmal für die zerstörerische Kraft von Atombomben.
Atombomben-Mahnmal
Jonas, der Koi- und Schildkrötenflüsterer
1000ende gefaltete Kraniche zum Gedenken an die Leute mit Folgeschäden des Atombombenabwurfs.
Abendstimmung am Fluss
Abendstimmung im Friedenspark
Am nächsten Tag haben wir wieder mal die Wanderschuhe umgeschnallt und sind auf der Insel Miyajima wandern gegangen. Mit einer uralten Bahn ging es hoch auf den Berg, von dort aus auf den Gipfel und dann stetig runter bis an die Küste. Wir geniessen die Ruhe und die wunderbaren Ausblicke. Die Ruhe ist aber vorbei, sobald wir zurück im Dorf sind, wo die Fähren aus Hiroshima ankommen. Der Ort ist regelrecht vollgestopft mit Menschen. Wir erhaschen noch kurz einen Blick auf das berühmte Torii, das momentan leider eingerüstet ist, und suchen dann schnell den Weg zurück zu den Fähren, um die Insel schnellstmöglich zu verlassen.Mitten in den Menschenmassen stehen noch Rehe, die von allen Seiten betätschelt werden. Melanie hat natürlich kein Interesse an diesen Tieren. Das Tier aber an ihr. Denn sie hält noch einen angebissenen Apfel in der Hand und das Reh hat anscheinend Hunger. Da es nicht zum Apfel kommt, fängt es halt an, an Melanies T-Shirt zu knabbern. Irgendwann gibt sie dann nach und das Reh kommt doch noch in den Genuss des Apfels. Wenigstens erübrigt sich so die Frage, wo man den Apfel mitten im Dorf hätte entsorgen können. In Japan ist es nämlich äusserst mühsam, einen Abfalleimer zu finden!
Touristengedränge in Kyoto
Von Hiroshima geht es weiter nach Kyoto, die ehemalige Hauptstadt bietet vorallem Geschichte und Kultur. Und ist anscheinend sehr beliebt bei Touristen. Auch wir besuchen die obligatorischen Sehenswürdigkeiten. Bei grosser Hitze laufen wir durch über 5000 rote Tore auf den Mt. Inari. Unten bei den ersten Toren bleiben natürlich alle stehen und müssen Fotos schiessen. Die Menschenmassen auf diesem Weg sind unvorstellbar!
Leute, Leute, Leute
Zum Glück haben wir den Tipp erhalten, unbedingt bis zum Gipfel zu laufen. Denn je höher man kommt und desto anstrengender es wird, desto weniger Leute sind unterwegs. So kommen sogar wir noch zu einem Foto mit den roten Toren, ohne dass andere Leute ins Bild stolpern.
Ok, da ist doch jemand im Hintergrund…
Wir besuchen auch noch den Bambuswald und den Affenberg. Der Bambuswald ist sehr eindrücklich mit den bis zu 15-20 cm dicken Bambusrohren. Es windet ziemlich fest, als wir durch den Wald spazieren, die Rohre biegen sich stark, knacken und der Wind rauscht geräuschvoll durch die Blätter.
Taifun Krosa in Kobe
Die Fahrt nach Kobe haben wir zum Glück mit dem Regionalzug geplant. Da sich ein Taifun langsam aber sicher nähert, fährt der Shinkansen und diverse andere Züge nicht mehr.Als wir in Kobe die Gegend etwas erkunden, haben wir das Gefühl, dass Kobe eine Geisterstadt ist. Weil der 10. Taifun dieser Sainson angekündigt ist, hat es keine Leute auf der Strasse und alle Läden und Restaurants sind geschlossen. Wir haben Glück, dass wir noch eine U-Bahn finden, die uns zurück zum Hotel bringt, bevor der Sturm aufzieht und so verbringen wir den Abend im Hotel, während es draussen regnet und stürmt.
Am nächsten Tag gehts weiter zum Flughafen. Während dem Sturm wurden alle Flüge gestrichen, weshalb wir mit grossem Chaos rechneten. Am Flughafen ist aber glücklicherweise nicht viel los und wir haben nach 5 Minuten eingecheckt, das Gepäck abgegeben und die Sicherheitskontrolle passiert. Nun geht es los Richtung Okinawa!
Mit dem Flieger lassen wir das Nebelmeer von Wladiwostok hinter uns. In der Woche vor unserer Abreise haben wir noch diverse andere Optionen geprüft, gerne wären wir mit einem Containerschiff weitergereist. Aber leider kommt man in Russland als Mitreisender nicht auf ein Containerschiff. Also landen wir nach einem kurzen Flug in Tokio. Die erste Woche unserer Backpacker-Reise werden wir in dieser Millionenmetropole verbringen. Dann reisen wir für 5 Tage nach Hokkaido, auf die Nordinsel.
Städtetrip Tokio
Mit Müh und Not und der Hilfe eines netten Japaners lösen wir die Tickets, finden die richtigen Züge und schleppen uns vom Flughafen Tokio zum Hostel. Notiz an uns: Wichtiges Kriterium für die Wahl der Unterkunft ist die Distanz zum Bahnhof!
Wenigstens haben wir die U-Bahn in der Nähe. Täglich fahren wir ins Stadtzentrum und besichtigen bei durchwegs schönem und vor allem heissem Wetter immer wieder andere Stadtteile. Das heisst, wir laufen vom einen klimatisierten Cafe zum nächsten klimatisierten Cafe. Unser Konsum von kaltem Kaffee war in den letzten Wochen wirklich besorgniserregend! Dabei ist der meistens nicht mal so gut… Die Zeit verbringen wir mit Besichtigen von Sehenswürdigkeiten, Planen unserer Weiterreise und Shoppen ???? Unsere Begeisterung fürs Shoppen hält sich ja sonst schon sehr in Grenzen. Wenn man sich aber in Japan auf die Suche nach Flipflops und Bikini in unseren Grössen macht, ist die Restbegeisterung relativ schnell aufgebraucht, die Japaner sind ja bekanntlich etwas kleiner und schmaler als wir. Entsprechend schwierig war es, etwas passendes zu finden.
Zurück zu den Sehenswürdigkeiten. Eindrücklich war die Aussichtsplattform auf dem Shinjuku-Hochhaus . Im 45. Stock in 202 Meter Höhe kann man hier eine 360°-Rundumsicht geniessen. Anscheinend soll man sogar den Fuji sehen können, dafür war aber bei uns die Luftfeuchtigkeit definitiv zu hoch. Wir konnten aber prima das Geschehen in der Stadt beobachten. Pünktlich zum Feierabend stehen wir oben und sehen die Japaner zu Tausenden aus den umliegenden Bürogebäuden strömen: Schwarze Haare, weisses Hemd/Bluse, schwarze Hose/Rock.
Im 45. Stock des Shinjuku-Hochhauses.
Es scheint in Tokio eine Einheitskleidung zu geben.
Unser Highlight in Tokio war aber ein traditionelles japanisches Fest (und das am 1. August). Als wir am Morgen auf dem Weg zum Fischmarkt an einem Tempel vorbeilaufen, stoppt uns ein Japaner und meint, wir sollten unbedingt am Abend nochmals vorbeischauen, da dann ein Fest stattfindet. Also machen wir das und kehren am Abend zurück zum Tempel. Und sind überwältigt! Der Innenhof ist geschmückt mit japanischen Lampions, in der Mitte steht ein hohes Podest und rund herum gibt es einige Essens- und Getränkestände mit leckeren Spezialitäten. Auf und um das Podest stehen Paukenspieler und geben ihr Können zum Besten. Unter rhythmischen Klängen decken wir uns also mit Leckereien ein und sitzen auf den Rasenplatz, um das Geschehen zu beobachten. Der Innenhof füllt sich immer mehr mit Leuten, bis schliesslich kaum mehr ein Plätzchen frei ist. Nachdem die Paukenspieler ihre Darbietung beendet haben, gibt es das nächste Spektakel: einen Volkstanz. Alle Japaner in ihren Kimonos strömen zum Podest und machen einen Tanz rund um das Podest. Zum Glück haben wir von diesem Fest erfahren!
Unsere weiteren Highlights von Tokio könnt ihr euch in der Bildstrecke anschauen:
Fahrt nach Sapporo
Nach nicht ganz einer Woche verlassen wir die Hauptstadt. Wir haben nun genug Leute und Stadt gesehen, haben uns wieder an die Zivilisation gewöhnt und sehnen uns etwas Natur zurück. Deshalb fahren wir nach Hokkaido, die nördliche und ländliche Insel von Japan. Mit dem Shinkansen und teilweise über 300 km/h rasen wir in 8 Stunden nach Sapporo. Dabei durchqueren wir auch den zweitlängsten Eisenbahntunnel der Welt, welcher unter dem Meer hindurch führt, und legen über 1’200 km zurück. Da haben wir ja sogar mit dem Flieger von Wladiwostok nach Tokio weniger Kilometer an einem Tag zurückgelegt.
Der Shinkansen fährt nur bis nach dem Tunnel. Das heisst, man muss für die übrigen Kilometer auf der Insel Hokkaido auf einen anderen Zug umsteigen. Der Shinkansen hat sozusagen Flugzeugbestuhlung, aber mit sehr viel Beinfreiheit, und rauscht wahnsinnig ruhig über die Gleise. Mit was wir also im modernen Japan gar nicht gerechnet haben, ist der lokale Zug auf Hokkaido: Ein lauter, wackliger, langsamer Zug mit Diesellok! Der Lokführer muss sogar noch die Gänge selber reinhauen, was wir mit dem Aufheulen des Motors und einem gewaltigen Ruck beim Gangwechsel regelmässig zu spüren bekommen. Um diese Fahrt bis Sapporo zu überstehen, gönnen wir uns schliesslich es Apporo ????
Die Olympia-Stadt Sapporo
Sapporo ist im Vergleich zu den anderen besuchten Japan-Städten klein, nicht so überlaufen und härzig. Es gibt eine typisch japanische Einkaufsstrasse, ein Biermuseum und einen Hausberg. Mit Erläuterungen zu den Menschenmassen auf dem Hausberg und ähnlichen Phänomenen verschonen wir euch, hier könnt ihr stattdessen einige Fotos anschauen:
Nach drei Tagen Sapporo zieht es uns noch weiter in die Natur raus. Wir fahren mit dem Dieselzug ein Stück zurück Richtung Süden nach Noboribetsu.
Zu Besuch beim Teufel in Noboribetsu
In Noboribetsu übernachten wir in einem Hostel. Das zählt schon fast als Kapselhotel:
Unsere „Zellen“ im Hostel.
Nach der Ankunft am Morgen gehen wir direkt mit dem Bus ins Hell-Valley. Das ist eine Vulkanlandschaft, wo es überall aus dem Boden dampft, also fast wie in gewissen Regionen in Island. Der Unterschied besteht einfach darin, dass wir hier in Japan Aussentemperaturen von über 35° haben. Solche Aussentemperaturen sind nicht unbedingt notwendig, wenn man nach einer Wanderung die Füsse badet im über 60° warmen Bachwasser, das vom Hell-Valley kommt.
Nach der Besichtigung des Hell-Valley gönnen wir uns den obligaten Onsenbesuch. Onsen sind Badehäuser mit Thermalwasser (also heisses Wasser, wir erinnern an dieser Stelle gerne an die Aussentemperaturen). Es gibt sie überall im Land, ganz kleine Onsen in Dörfern und auch grössere Onsen in den Touristenregionen. Die Bäder sind geschlechtergetrennt und man darf nur nackt hinein. Das einzige, was mit ins Bad darf, ist ein kleines Tuch, mit dem man sich ein bisschen bedecken kann und das man beim Sitzen im Wasser auf den Kopf legt. Zuerst geht man sich waschen. Dazu gibt es Waschstellen mit kleinen Hockern, einer Duschbrause und jedes erdenkliche Shampoozeugs. Nachdem man sich gründlich gewaschen hat, geht es los mit „in die verschiedenen Bäder sitzen“. Wer lesen kann, ist besser dran: Jonas hüpft ins erst beste Bad und landet direkt im heissesten Bad. Nach einer Stunde wechselnden heissen und noch heisseren Bädern hats Jonas gesehen und geniesst während der nächste Stunde das kühle Bier bis Melanie auch genug hat.
Symbolbild: Jonas demonstriert, wie man das Tüechli auf dem Kopf trägt.
Mit dem Tandem um den Donut-See
Am nächsten Tag fahren wir mit der Bahn und dem Bus zum Donut-See. Ein runder See mit einer Insel in der Mitte. Wir leihen direkt bei der Bushaltestelle ein japanisches Tandem aus und machen uns auf die 36 km lange Strecke rund um den See. Nach 10 km verpassen wir eine Abzweigung und geniessen nichtsahnend die Abfahrt ins nächste Dorf. Unten angekommen bemerken wir den Fauxpas. Doch alles wieder hinaufradeln kommt nicht in Frage, weil unser Tandem ein Eingänger ist. Also nehmen wir die Verlängerung durchs Dorf. Ganz ohne Hinauffahren geht es dann doch nicht und wir trampeln mit Müh und Not den Hügel hinauf und treffen halb oben auf einen Tunnel. Okey. Es ist kein Verbotsschild zu sehen, also treten wir mächtig in die Pedalen und machen mit der Handylampe ein bisschen Licht im lichtlosen Tunnel. Zum Glück geht es ein bisschen bergab, so sind wir schnell am anderen Ende und somit auch wieder am See. Das glasklare Wasser lädt zum Baden ein, deshalb halten wir einfach mal an und gehen an einem kleinen Strand baden. Eine wunderbare Abkühlung an diesem heissen Tag. Diese Idylle geniessen wir richtig und finden es schade, dass wir hier nicht mit unserem Auto unterwegs sein dürfen. Es gibt hier so viele tolle Übernachtungsplätze! Doch das Tandemfahren macht auch mächtig Spass und wir drehen unsere Runde weiter. Dass wir um den ganzen See gefahren sind, lässt dann auch den uralten Vermieter erstaunen. Die meisten Touristen würden einfach ein bisschen im Dorf herum fahren. Das mit unserem Umweg durchs Dorf und durchs Tunnel haben wir dann nicht erwähnt…
Geil! Eine Stadt in die Hügel gebaut. Zwischen den Häusern und Hochhäuser sind überall Bäume. Oder sind eher die Häuser zwischen den Bäumen? Egal. Es ist auf jeden Fall die grünste Stadt, die wir jemals gesehen haben. Nach der Ankunft gehen wir gleich auf die Suche nach einer Garage, in der wir das Auto für die Verschiffung nach Australien putzen können. Die Quarantänekontrolle in Melbourne ist ziemlich streng und lässt nur Autos rein, die sauber geputzt sind und „clean means clean as new“. Im Internet haben wir zwei Garagen gefunden, bei denen schon andere Reisende geputzt haben. Bei der ersten ist der Manager leider nicht im Haus und wir müssen es am nächsten Tag nochmals versuchen. Da es schon spät ist, entscheiden wir, dass wir uns ein Platz zum Übernachten suchen und am nächsten Morgen mit dem Manager sprechen wollen. Wir finden mitten in Wladiwostok ein Hügel, auf den man nur auf ziemlich üblen Offroadpisten kommt. Schöner Platz mit super Aussicht bis zum Meer! Bis es dunkel wird fahren noch Jungs mit ihren Motocross-Töffs auf dem Hügel herum, der sich als Motocross-Spielplatz entpuppt.
10 kleine Jägermeister möchten das Auto putzen, doch wir merken schnell, einer tut nichts nutzen.
Am nächsten Morgen fahren wir wieder zur Garage vom Vortag und finden diesmal den Manager vor. Er sagt uns dann, das es nicht möglich sei, weil sie genau nächste Woche das Wasser abschalten, um ein Leck zu reparieren und weil wir uns eine 10-tägige Miete der Garage eh nicht leisten können. Den Preis kann er uns allerdings auch nicht nennen. Den Zeitpunkt der Reparatur ebenfalls nicht. Und sowieso: Was wir denn während 10 Tagen an EINEM Auto putzen wollen?! Die, die das letzte Mal hier waren, haben wohl nicht den besten Eindruck hinterlassen. Bei der zweiten Garage, die wir empfohlen bekommen haben, wissen wir, dass es möglich ist, das Auto während 10 Tagen zu putzen. Wir wissen aber auch, dass wir unser Auto jeden Abend wieder aus der Garage fahren müssen und es auch nicht auf dem Gelände parkieren können. Daher entscheiden wir, noch ein bisschen im Auto-Viertel herum zu fahren und zu schauen, ob wir eventuell per Zufall noch eine andere Garage finden.
Der erste angesprochene Automech ist sehr freundlich und bringt uns hinter seine Garage, wo eine Waschanlage ist. Doch hier ist der Chef wieder nicht da, wir sollen nach dem Mittag wieder kommen. Das passt uns auch, denn so haben wir noch Zeit, in den Leroy Merlin (Hornbach) zu gehen und uns für die Putzerei auszustatten. Wir kaufen Putzmittel, Lumpen, Eimer, Bürsten, Schwämme, Handschuhe, Farbe, Kitt, … sodass wir ghörig putzen können.
Zurück bei der Waschanlage ist der Chef auch da und er ist so begeistert von unserer Tour und vom Auto, dass er uns selbstverständlich einen Autolift (er hat nur zwei) zur Verfügung stellt. Natürlich inklusive Hochdruckreiniger, Shampoo-Anlage und allem drumherum. Zudem können wir auch ein leeres Büro benutzen, um unser Material und die Einrichtung zwischen zu lagern. Da haben wir nur noch eine Frage offen. Unser Airbnb können wir erst in 4 Tagen beziehen. Ob es wohl möglich wäre, dass wir bis dahin auf dem Platz vor der Garage im Auto übernachten? Die Antwort: Nein, sicher nicht! Wir sollen kurz warten, er müsse etwas abklären. Das Resultat: Zwei Minuten später sind wir bei den Nachbarn Alina und Nazar einquartiert, die noch drei freie Zimmer haben. Das Ganze ist natürlich gratis. Mit Letzterem sind wir nicht ganz einverstanden aber das können wir am Schluss noch klären. Phuu… Jetzt erstmal Pause und die ganze Freundlichkeit verdauen.
Nachdem wir allen das Auto gezeigt haben, wollen wir keine Zeit verlieren und fangen gleich an, das Auto auszuräumen. Um 19.00 Uhr ist Feierabend, die Garage wird geschlossen. Daher machen auch wir Feierabend und lassen das Auto in der Garagenbox zurück. Als wir dann Znacht kochen wollen, merken wir, dass unsere Kühlbox im Auto und somit in der Waschanlage eingeschlossen ist. Gibt es halt Teigwaren mit Gewürz und Öl. Ein gebührende Krönung für den ansonsten erfolgreichen Tag.
Alle Teile werden beschriftet, damit wir das Auto auch wieder zusammensetzen können.
Unser Hab und Gut im Zwischenlager.
9 kleine Jägermeister malen gerne grau, einer hätte lieber blau, darum sagen wir ihm tschau!
Heute wird von 09:00 bis 19:00 Uhr geputzt und vor allem aus- und abgebaut. Die komplette Einrichtung kommt raus. Bis auf den Fahrersitz und die Kühlbox ist das Auto jetzt komplett leer. Zudem machen wir noch einen Ölwechsel. Den Nachmittag hat Jonas mit dem Hochdruckreiniger verbracht und Melanie malt unsere Einrichtung neu. Bei unserem Ausbau hatten wir bisher nur die sichtbaren Holzflächen gestrichen. Da wir nun sowieso alle Teile aus dem Auto nehmen müssen und die Australier nicht so gerne Holz im Auto sehen (Baumwanze!), nutzen wir die Chance und streichen nun komplett alle Holzflächen unseres Ausbaus (sorry Papi/Seppi). Zum Zacht macht uns unsere Gastgeberin Alina frische Muscheln, die sie selber aus dem Meer getaucht hat. Mmmmmh… War super lecker!
Das Auto ist ausgeräumt, übrig bleibt ein Kabelsalat und Dreck.
Melanie beim Schwarzmalen.
8 kleine Jägermeister haben’s gerne nass, aber Hochdruck ist für den einen doch etwas zu krass.
Der dritte Tag gehört ganz dem Hochdruckreiniger. Alles wird gespült und gewaschen und immer wieder montieren wir Teile ab, die dann wieder Dreck hervorzaubern. Unglaublich, was sich da alles ansammelt unter dem Auto.
Kurze Rückblende, um uns daran zu erinnern, woher der Dreck stammen könnte. Kurz bevor das Foto entstand, steckten wir noch tief im Schlamm.
Glücklicherweise haben sie auch ein Rohrreinigungsschlauch, mit dem wir in den Rahmen und an die von Hand unerreichbaren Stellen kommen. Melanie malt den ganzen Tag, bis sie keine Farbe mehr hat. Immer wieder kommen Kollegen von den Mitarbeitern vorbei und wollen das Auto sehen. Ebenso zeigen sie dann auch Fotos von ihren Autos und Motorrädern. In den ersten paar Tagen begrüssen wir jeweils während mindestens 1 Stunde pro Tag Freunde und plaudern etwas. Effizientes Putzen haben wir uns anders vorgestellt.
Auch Jonas hat’s gerne nass.
7 kleine Jägermeister putzen den Motor mit Schaum, am Abend ist einer verschollen im verwinkelten Motorenraum.
Heute ist perfektes Putzwetter. Der Nebel hängt tief und es regnet. Unser Dachgeschoss und der Motorraum sind an der Reihe. Alles wird von Hand geputzt und dann noch von den anderen zwei Händen nachgeputzt. Pinzette und Lumpen sind unsere besten Freunde. Unter den Sitzen ist es dann ganz übel. Im Batteriekasten und dem Sicherungskasten steht der Dreck. Wie kommt das nur alles hier rein? Nach dem Putzen wird gleich mal die Kittpresse angesetzt und abgedichtet. Am Abend sind wir fix und foxi und haben keine Lust, etwas zu kochen. Wir gehen in ein usbekisches Restaurant und lassen uns verköstigen.
Nie ohne Seife waschen!
6 kleine Jägermeister putzen fleissig Armaturen, am Abend fällt einer zum Opfer dieser üblen Prozeduren.
Nach dem Einbau der Batterien machen wir uns an die Armaturen. Wir probieren, alles zu demontieren. Das geben wir dann aber irgendwann auf und putzen, so gut es geht, von aussen mithilfe von Schraubenzieher, Lumpen und der Pinzette. Das Armaturenbrett und alle sonstigen Winkel und Teile im Cockpit stellen sich als sehr mühsam heraus. Spätestens hier wissen wir, dass wir das bestimmt nie mehr machen! Am Abend backen wir einen Zopf mit dem Mehl, das wir seit Zuhause mit uns umher fahren. Die Herausforderung bestand dann darin, den Zopf in einem Gasofen mit Oberhitze zu backen. Nach drei Stunden im Ofen war dann der Zopf endlich fertig und wir ebenfalls.
Symbolbild der staubigen Armatur.
5 kleine Jägermeister haben Räder abmontiert, beim Montieren nicht aufgepasst, da waren sie noch zu viert.
Die Sitze sind geputzt und wieder eingebaut. Die Räder abmontiert, gewaschen und wieder montiert. Und die Radkästen von Hand gereinigt (hoppla, hab wohl nur die Hälfte des Drecks erwischt mit dem Hochdruckreiniger). Die Türen inklusive Verschalung und Dichtungen sind geputzt und auch der gesamten Laderaum glänzt nun (abgesehen von den abgenutzten Stellen). Heute können wir einiges unserer ToDo-Liste abstreichen. Am Mittag haben wir zudem für alle Pizza bestellt. Von den 6 bestellten Pizzas sind 3 übrig geblieben. Weil die hier viel die dickeren Böden machen, isst jeder nur eine halbe Pizza. Logisch.
Kleine Reparaturarbeiten
vorher
nachher
4 kleine Jägermeister haben gerne Rum, einer probiert noch Wodka, das ist ziemlich dumm.
Zuerst werden alle Löcher gekittet, in der Hoffnung dass das Auto nun etwas dichter ist, und dann wird endlich wieder eingebaut! Stück für Stück tragen wir ins Auto und setzen unseren Ausbau wieder zusammen.
Die Möbel werden wieder zusammengesetzt.
Am Nachmittag machen wir Feierabend, weil Geni (der Chef unserer Garage) ein Barbecue organisiert hat. Die Frauen und Kinder der Mitarbeiter sind auch gekommen und haben ein riesiges Buffet angerichtet mit Kaviar, Kartoffeln, Fleisch, Salaten, Fleisch, Früchten, … und Fleisch natürlich. Es war so viel, dass wir dachten, da kommen noch mehr Leute zum Essen. Schlussendlich haben wir etwa 1/4 des Buffets gegessen. Natürlich gab es auch alle 10 Minuten wieder Schnaps für Jonas.
Nach dem Essen haben wir spontan entschieden, noch eine Rundtour durch Wladiwostok zu machen. So sind wir zum ersten Mal richtig in die Stadt gefahren. Nachdem wir die riesige Brücke von allen Seiten gesehen haben, fahren wir noch nach Russky Island zum Universitäts-Campus. Dieser Campus ist so gross, dass es fast alleine eine Stadt ist.
Nächtliche Stadtbesichtigung mit Tankstopp.
3 kleine Jägermeister bauen wieder ein, einer kann nicht helfen, denn er ist zu klein.
Pünktlich um 9:00 Uhr stehen wir wieder auf der Matte. Allem Anschein nach haben nicht alle den Schnaps so gut vertragen wie Jonas. Dimar ist heute viel ruhiger als sonst und der Chef kommt erst nach dem Mittag in die Garage. ???? Wir hingegen kommen heute gut voran. Am Abend ist tatsächlich der komplette Ausbau wieder im Auto. Einige Schrauben sind zwar übrig geblieben, aber der Ausbau macht trotzdem einen stabilen Eindruck. Zudem haben wir die Küche noch so abgeändert, dass wir auch im Auto kochen können. Während dem ganzen Tag lief die Waschmaschine und die Vorhänge, Bezüge, Seile und Teppiche sind nun gewaschen und versuchen in der feuchten Wladiwostoker Luft zu trocknen. Wir kommen sogar noch dazu, unsere Camping-Utensilien zu putzen. Dabei sind wir froh, können wir in unserem Büro sitzen und gemütlich die Teile von Hand putzen. Denn draussen zieht ein Ausläufer des Japan-Taifuns vorbei und beschert uns Regen.
Warum haben wir nur so viele verschiedene Schrauben verbaut?!
2 kleine Jägermeister haben’s gerne sauber, doch einem verleidet langsam dieser ganze Zauber.
Wir räumen alles wieder ein, was wir im nächsten Monat (voraussichtlich) nicht brauchen und waschen noch den Schlafsack und die Schaffelle. Die Vorhänge sind auch wieder montiert und das Bett liegt wieder im Auto. Jetzt gehen wir mit Lumpen bewaffnet an die Karosserie. So langsam haben wir den Lumpen gesehen. Aber wir sehen jetzt das Ende. Am Abend kochen wir Bolognese für unsere Gastgeber Alina und Nazar.
Es ist wieder alles zusammengesetzt und bereits fast alles eingeräumt.
Unser kleiner Jägermeister ist nicht gern allein, drum lädt er zum Weihnachtsfest neun neue Meister ein ????
Nach dem Fensterputzen begeben wir uns unters Auto, um den Finish von Hand zu machen. Die Motivation ist nun bei etwa 5% angelangt und wir geben uns schneller zufrieden als auch schon. Aber schliesslich ist ja schon alles gut mit dem Hochdruckreiniger geputzt worden. Nach zwei Stunden geben wir uns zufrieden und decken das Auto mit Plastik ab. Wir verschenken noch alles, was wir nicht mehr brauchen (oder nicht putzen wollen) und machen Feierabend.
Endreinigung
Das Auto steril verpackt.
Am Abend gehen wir mit Alina und Nazar zum Surfcamp. Jonas mietet sich einen Anzug und ein Surfbrett. Bevor bei Nebel ins Meer gestochen wird, gibt es von Alina noch einen Surf-Crashkurs an Land. Jonas surft, oder probieren es zumindest, bis es so dunkel ist, dass man nichts mehr sehen kann. Er behauptet, dass er mind. 3 Wellen gestanden ist. Melanie kann das leider nicht bestätigen, denn es war so neblig, dass sie die drei vom Ufer aus nicht sehen konnte. Das war ein ganz cooler Abend, bei dem wir das ganze Putzen vergessen konnten und wir werden das Surfen sicherlich in Australien nochmals ausprobieren.
Wir müssen unser Haus abgeben
Am Morgen laden wir noch letzte Sachen ein und Jonas wechselt noch alle Lämpli auf Licht ausstrahlende Dioden. Die sind hier so spotbillig, dass er sich nicht zurückhalten konnte. ???? Um 13:00 Uhr haben wir mit Yuri, unserem Agenten, abgemacht. Wir kenn inzwischen die russische Mentalität und rechnen nicht vor 13:30 Uhr mit ihm. Kurz nach halb zwei schreibt Yuri, dass er uns nicht findet, obwohl wir ihm Adresse, Koordinaten und Googlelinks geschickt haben. Als wir uns dann endlich finden, steht er mit einem Nissan-schiessmichtot-Büssli da und meint, wir sollen ihm bis zur Waschanlage folgen. Eigentlich war abgemacht, dass wir nicht mehr fahren, weil wir ja alles geputzt haben. Daher hatten wir ihn gebeten, uns direkt mit dem Lastwagen abzuholen und das Auto bei unserer Garage auf den Lastwagen zu laden. Scheinbar liest er die E-Mails nicht so genau. Nach 15 Minuten ist dann alles geklärt und der Lastwagen fährt zu. Er meint noch, dass wir die Ersten sind, die nicht mit dem Auto selber zur Waschanlage fahren und noch nie jemand so sauber geputzt hat wie wir. Na, dann hoffen wir, dass das die Australier auch so sehen. Wir fahren dann zusammen mit Yuri hinter dem Lastwägeli, auf dem unser Auto aufgeladen ist, direkt zum Container auf einem Logistikareal. Jonas parkiert das Auto in Millimeter-Präzisionsarbeit im Container, in der Höhe hatten wir nur wenige Millimeter übrig. Dann hängen wir die Batterien ab, öffnen zwei Fenster einen Spalt breit und machen das Auto im Container fest. Container zu, Plombe montiert und tschüss. Gute Reise Nanuk. ????
Letzter Motorenstart in Russland.
Millimeterarbeit
Und tschüss!
Die restlichen Tage verbringen wir mit Stadtbesichtigungen, Papierkram erledigen und Blog schreiben.
Wir bezahlen allen, was sie annehmen und schenken ihnen noch Sackmesser, welche sie mit grosser Freude entgegen nehmen. Es ist schade, dass die Zeit hier schon vorbei ist. Wir haben in den zwei Wochen hier tolle, neue Freunde gefunden, die wir hoffentlich wieder einmal treffen.
Die Krown-Crew vor „unserer“ Garagenbox: Geni der Chef, Dimar der Profi, Anastasia die Büroristin.
Zum Abschluss gibt es nochmals ein Barbecue. Diesmal leiden nicht nur die Mitarbeiter am nächsten Morgen, auch Jonas hat zu kämpfen. Der Chef kommt auch nicht genug früh aus den Federn und fährt uns etwas verspätet an den Flughafen, zum Glück haben wir genügend Zeit eingerechnet. Etwas wehmütig nehmen wir Abschied von Russland und fliegen nach Tokyo, wo uns eine neue Kultur erwartet.